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Heilpflanzen und ihre Kräfte

Ein Ratgeber für Fragen der Gesundheitsmedizin auf natürlicher Basis

Das Erbe der Volksmedizin - Vom Beitrag der Volksmedizin an die moderne Wissenschaft

(Fortsetzung)

DIE MEDIZINMÄNNER OSTAFRIKAS

Die Naturvölker überliefern ihre traditionellen Heilpflanzenkenntnisse mündlich. Bei den afrikanischen Stämmen weiht der Medizinmann kurz vor seinem Tode seinen ältesten Sohn oder eine auserwählte Vertrauensperson in seine Geheimnisse ein. Er nimmt den Lehrling auf seine Reisen mit und lehrt ihn die Namen und Wirkungen der Heilpflanzen. Oft gelingt es dem jungen Medizinmann während seiner kurzen Lehrzeit nicht, sich die gründlichen Kenntnisse seines Meisters anzueignen. Um dennoch sein Gesicht zu wahren, lässt er sich zuweilen auf recht gewagte und unkontrollierte Heilexperimente ein. Gleichwohl steht außer Zweifel, dass die großen Heilkenntnisse der Medizinmänner Afrikas, die sich im Laufe von Jahrhunderten angesammelt haben, die moderne Medizin enorm bereichern könnten.

DIE HEILPFLANZENTRADITION DER INDIANER

Die Indianer besaßen außergewöhnliche Kenntnisse ihrer Flora. Als die Weißen ihnen zum ersten Mal begegneten, verwendeten die Stämme im Nordosten Amerikas rund 275 Pflanzen zu medizinischen Zwecken, 130 dienten ihnen als Nahrung, 30 fanden in den kultischen Zeremonien Verwendung und viele mehr wurden als Färbemittel, Parfüms, Rauchwaren usw. gebraucht. Die moderne Medizin hat die Eigenschaften zahlreicher Pflanzen erst durch den Kontakt mit den Indianern kennengelernt. Heute praktizieren vorwiegend alte Frauen und Männer die traditionelle Medizin. Sie pflegen bewusst die alten Heilbräuche, um der jüngeren Generation einen Halt in ihrer entwurzelten Lebenssituation zu geben. Damit leisten sie einen wertvollen Beitrag auf dem Weg zu einem neuen Selbstverständnis der indianischen Bevölkerung.

DIE KLÖSTER DER ÖSTLICHEN HIMALAJAREGIONEN

Im 17. Jahrhundert errang Tibet die Vorherrschaft über die östlichen Himalajaregionen. Zahlreiche Klöster wurden gebaut, welche als geschlossene, religiöspolitische Einheiten die geistige und wirtschaftliche Führung übernahmen. Einige Mönche spezialisierten sich auf das Studium von Heilpflanzen und wurden hochverehrte Heiler. Nach dem Zusammenbruch des alten politischen Systems zogen sich die traditionalistischen Stämme in die Hochtäler zurück, wo sie die Heilmethoden der Mönche weiterentwickelten.

Die heilkundigen Männer geben ihr Wissen nur an Schüler weiter, die in der buddhistisch-lamaistischen Tradition erzogen worden sind. Für Außenstehende ist es äußerst schwierig, Informationen von einheimischen Kräutersammlern zu erhalten, da diese überzeugt sind, die Weitergabe der Rezepte an Fremde ziehe schlimme Folgen nach sich. Die einzigen Quellen, die der Wissenschaft zur Verfügung stehen, sind die alten Manuskripte aus den heute verfallenen Klöstern. Die indische Regierung bemüht sich seit einigen Jahren um die systematische Sichtung der traditionellen Heilmethoden.

Heilpraktiker, Himalajagebiet Jäger mit Blasrohr.

Heilpraktiker aus dem östlichen Himalajagebiet.

Präkolumbianische Darstellung eines indianischen Jägers mit Blasrohr.

HEILPFLANZEN IN MITTEL- UND SÜDAMERIKA

Die Naturvölker Mittel- und Südamerikas leben in einer Umwelt, die auf Grund ihrer hervorragenden Wachstumsbedingungen den größten Teil der bekannten Heilpflanzen der Erde hervorgebracht hat. Sie haben das vorhandene Heilpotential erkannt und bemerkenswerte Kriterien zur Bestimmung ihrer Heilpflanzen entwickelt: Das Wissen um die Kraft der Pflanzen ist eng mit ihrer Auffassung der kosmischen Zusammenhänge verknüpft. Sie nehmen an, dass bestimmte Pflanzen in ihrem Überlebenskampf einzelne Organe besonders widerstandskräftig haben ausbauen müssen. Wenn es dem Menschen gelingt, die spezifischen Lebensbedingungen einer Pflanze zu erfassen, ist er in der Lage, die Kräfte dieser Pflanze zu «sehen». Er kann auf diese Weise einem kranken Menschen, den er ebenfalls «sieht», eine Heilpflanze verschreiben, die in ihrer Überlebenssituation gerade jene Kräfte hat entwickeln müssen, die dem Patienten fehlen.

URZEITLICHE GESELLSCHAFTSFORMEN DER GEGENWART

In Afrika - einem Kontinent mit einer reichen und mannigfaltigen Flora und, wie es scheint, auch der Wiege der Menschheit - leben immer noch Millionen Eingeborene in primitiven Gesellschaftsformen. Dennoch sind weite Gebiete des Kontinentes noch nicht von ethnobotanischen Studien erfasst worden. Neuere Veröffentlichungen über Gift- und Heilpflanzen in Ost-, Süd- und Westafrika lassen vermuten, dass Untersuchungen einiger von den Eingeborenen noch verwendeter Heilpflanzen zu wertvollen medizinischen Erkenntnissen führen könnten.

Ohne Zweifel ist das Physostigmin , ein aus der Kalabar-Bohne isoliertes Alkaloid, eines der größten Geschenke Afrikas an die heutige Medizin. Diese überaus giftige Bohne ist die Frucht einer in den Wäldern Nigerias vorkommenden Liane. Sie gelangte in Afrika und Madagaskar bei Gottesurteilen zur Feststellung von Schuld oder Unschuld zur Anwendung. Die Bohnen dienten aber auch den Heilungspraktiken der Eingeborenen. Physostigmin, das vorherrschende Alkaloid, ist heute in der Augenheilkunde eines der wichtigsten Mittel zur Pupillenverengung und in der Behandlung von Grünem Star.

Podophyllum peltatum, Fußblatt Nieswurz, Veratrum viride
Kalabarbohne, Physostigma venenosum Strophantus

Ein weiteres Geschenk Afrikas an die moderne Medizin kommt von verschiedenen Spezies des Strophantus , welcher von den Eingeborenen auch zur Herstellung von Pteilgift verwendet wurde. Strophantus enthält potente, auf den Herzmuskel einwirkende Glykoside. Eine Spezies liefert das Quabain , ein Herzstimulans, das bei akutem Herzversagen und Lungenödemen zur Anwendung gelangt. Eine andere Spezies liefert Glykoside von großem Wert in der Behandlung von akutem Herzasthma. Der berühmte britische Erforscher Afrikas, Dr. David Livingstone, beobachtete als erster die starke Giftigkeit von Kombe und dessen Wirkung aut die Herztätigkeit. Eine afrikanische Rauwolfia-Gattung, Schlangenholz genannt, ersetzt als Reserpin-Lieferant weitgehend die einst überragende indische Schlangenwurzel. Für diese afrikanische Art kannten die Eingeborenen eine Fülle medizinischer Anwendungen. So wurde sie zur Behandlung von Schlangenbissen, Lepra, Gelbsucht, Geschlechtskrankheiten, Rheumatismus und Hautausschlägen eingesetzt. Sie war auch ein geschätztes Wurm-, Abführ-, Brech-, Abtreibungs- und Schlafmittel.

Tasadays, Mindanaos (Philippinen)

Die Tasadays sind Höhlenbewohner, die in den Wäldern Mindanaos (Philippinen) leben. Sie bilden die primitivste Kulturgruppe, die wir kennen. Dieser knapp 30 Personen zählende und in völliger Isolation lebende Volksstamm wurde erst 1966 von den Anthropologen entdeckt. Es ist bekannt, dass Naturvölker sich nicht zuletzt infolge ihrer geschickt angewandten reichen Pflanzenkenntnisse in ihrem täglichen Existenzkampf zu behaupten wissen. Die Tasadays aber nutzen noch kaum die überwältigende Vielfalt der zu den verschiedensten Zwecken verwertbaren Pflanzen ihrer nächsten Umgebung. Sie stehen da als das wohl einzige lebende Beispiel einer Volksgruppe, die noch auf rein empirische Weise, durch langsames Vortasten und Sammeln von Erfahrungen, die verborgenen Schätze der Naturzu entdecken haben.

Badianus Manuskript
Pfeifenrauchen, nordamerikanischen Indianern

Eine Seite aus dem Badianus Manuskript: Dieses 1552 von einem mexikanischen Indianer geschriebene Dokument ist eines der ältesten Herbarien der Neuen Welt. Es enthält die Beschreibungen von über 200 Pflanzen (oben).

Das Pfeifenrauchen war den nordamerikanischen Indianern nicht nur Genus, sondern auch heiliges Ritual und Ausdruck des Friedenswillens. Französischer Holzschnitt aus dem Jahre 1558.

Tabak Kokapflanze

Der Tabak wurde ursprünglich als Medizin nach Europa gebracht. Erste, 1570 in England erschienene Darstellung einer Tabakpflanze.

Die Kokapflanze war das wichtigste Medikament Perus und wurde wegen ihrer schmerzstillenden und stimulierenden Wirkungen geschätzt. Der Wirkstoff der Kokapflanze, das Kokain, nimmt in der modernen Medizin eine bedeutende Stellung ein.

Die Flora der beiden Amerika liefert für die ganze Welt eine verschwenderische Fülle Nutzpflanzen. Dies gilt ganz besonders für Heilpflanzen.

Obwohl die nordamerikanische Flora nicht so reich ist, entstammen ihr doch eine Anzahl der in der modernen Medizin verwendeten Heilpflanzen. Auch diese Heilpflanzen sind in der Volksmedizin der amerikanischen Indianer verankert.

Frühe spanische Missionare lernten bei ihrer Tätigkeit entlang der Küste des Stillen Ozeans von den Eingeborenen die Vorzüge einer Rinde kennen, die von diesen als mildes Abführmittel verwendet wurde. Sie nannten diese Rinde Cascara Sagrada , «Heilige Rinde,» und diese Pflanze konnte bis heute ihre wichtige Stellung in der Pharmakopöe der Vereinigten Staaten behaupten.

Auf die nordamerikanischen Indianer können auch zwei Heilpflanzen zurückgeführt werden, die erst kürzlich Eingang in die Medizin gefunden haben: Der falsche Nieswurz und das Fußblatt.

Podophyllum - Fußblatt oder amerikanischer Alraun - wurde von den Eingeborenen vielseitig angewendet: Die Cherokesen benutzten den Saft des Wurzelstockes zur Behandlung von Schwerhörigkeit, die Irokesen begingen mit dem rohen Rhizom Selbstmord. Trotz seiner Giftigkeit wurde es als Brech-, Abführ- und Wurmmittel geschätzt. Die ersten weißen Siedler übernahmen Podophyllum für eine Fülle von Indikationen, so auch zur Behandlung von Typhus, Ruhr und Leberentzündung. Die Irokesen verwendeten zur Behandlung von Schnupfen eine weitere äußerst giftige Pflanze, den falschen Nieswurz. Den weißen Siedlern diente sie in der Folge als Universalheilmittel. Neuere Forschungen isolierten Alkaloide, die heute, oft in Verbindung mit Reserpin, zur Behandlung der Hypertonie eingesetzt werden.

Kräutersammeln

Medizinmann der Huichols

Nordamerikanischer Sioux-Häuptling beim Kräutersammeln.

Medizinmann der Huichols, einem mexikanischen Stamm der Sierra Madre, der ein Kind segnet.

Sibirischer Schamane

Medizinmann (Juju-Mann) aus Kamerun

Sibirischer Schamane, der sich durch Einnahme eines mit Fliegenpilzen zubereiteten Getränksund unter rhythmischem Schlagen der heiligen Trommel in Trance steigert.

Medizinmann (Juju-Mann) aus Kamerun. Der Juju-Mann betätigt sich als Heilpraktiker, Zauberer und Regenmacher.

Einige der durch die Europäer unterdrückten und weitgehend zerstörten Kulturen der Neuen Welt waren ihren Eroberern hinsichtlich Wissen über Heilpflanzen und deren Anwendung überlegen. Das erste Pflanzenbuch der Neuen Welt, das farbig illustrierte Badianus Manuskript von 1552, das erst vor kurzem in der Bibliothek des Vatikans entdeckt wurde, beschreibt den medizinischen Wert von annähernd 200 Spezies. Interessant ist die Tatsache, dass der Autor dieses Frühwerkes ein mexikanischer Indianer war. Der spanische Arzt Monardes schrieb 1865 ein ausführliches Buch über mexikanische Arzneipflanzen, wobei er sich teilweise auf die von ihm mit solchen Pflanzen an seinen Patienten ausgeführten Experimente stützte. Der König von Spanien entsandte seinen Leibarzt, Dr. Francisco Henandez, zum Studium der Arzneipflanzen der Azteken in die Neue Welt. Ein enzyklopädisches naturgeschichtliches Werk über «Neu-Spanien», worin einige der 1200 Heilpflanzen ausführlich beschrieben und oftmals so sorgfältig dargestellt wurden, dass ihre Identifizierung praktisch einwandfrei möglich ist, war das Resultat dieser Reise. Die getrocknete Jalapenwurzel (eine Spezies der Windengewächse) und deren Harz lieferten zum Beispiel ein sehr stark wirkendes Abführmittel, das heute noch im Gebrauch ist. Die Sarsaparilla wurde wegen ihrer stark harntreibenden Eigenschaften in der Behandlung von Blasen- und Nierenleiden geschätzt. Tabakpulver diente zur Linderung von Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel und Nasenerkrankungen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Tabak als Medizin nach Europa gebracht wurde und bis ins 20. Jahrhundert auch als solche gebraucht wurde. Der geistliche Schriftsteller Sahag ŭ n, dessen Historia de las Cosas de Nueva Espana jeden Aspekt mexikanischer Lebensweise erfasste, widmete viele Seiten der Volksmedizin. Ebenfalls in Mexiko wurde die Verwendung psychoaktiver Pflanzen, der Halluzinogene, als «Supermedizinen» bei magischreligiösen und medizinischen Riten auf einen außerordentlich hohen Stand gebracht. Von den vielen halluzinatorisch wirkenden Pflanzen Mexikos nahmen drei Gruppen als «göttliche Arzneien» eine überlegene Stellung ein: Peyote, Teonanacatl und Ololiuqui. Sie wurden in rituellen Praktiken eingesetzt - wie dies auch heute noch der Fall ist - und auch medizinisch verwendet. Allen gemein sind chemische Bestandteile, die für die moderne Medizin von Bedeutung sind: Meskalin von Peyote und Psilocybin von den etwa zwei Dutzend Arten der heiligen Pilze, die den Azteken unter dem Namen Teonanacatl (himmlisches Fleisch) bekannt waren, fanden Eingang in die moderne Psychiatrie. Bei den Ergolin-Alkaloiden - chemisch verwandt mit LSD - der Windengewächse, die den Azteken unter dem Namen Ololiuqui bekannt waren, handelt es sich um die auch im Mutterkorn vorkommenden Verbindungen. Letzteres wurde von den Hebammen Europas seit jeher und bis auf den heutigen Tag in der Geburtshilfe eingesetzt. Diese Ergolin-Alkaloide wirken konstriktorisch auf die unwillkürliche Muskulatur sowie gefäßverengend - beides Eigenschaften von höchster Bedeutung für die moderne Gynäkologie.

venezolanischer Medizinmann

Ein venezolanischer Medizinmann, der einem Kranken den «bösen Geist» aus der Wunde saugt.

 Südamerika nimmt in Bezug auf die Verwendung von Pfeilgiften oder Curare eine vorrangige Stellung ein. Fast jeder Stamm und praktisch jeder Medizinmann hat sein eigenes Rezept. Obwohl viele Pflanzen zusammengemischt werden, stammen doch die Hauptbestandteile meistens von der Gattung Strychnos oder von den Spezies verschiedener menispertnaeeous genera . Aus Extrakten letzterer wurden Alkaloide, insbesondere Tubocurarin, wichtig für die moderne Medizin. Tubocurarin ist ein stark wirkendes Muskelentspannungsmittel. Wirkstoffe werden immer noch aus Curare ausgezogen, einer bräunlichen, durch die Indianer des westlichen Amazonasgebietes gemischten Paste. Tubocurarin wird zwar synthetisch hergestellt; in der medizinischen Verwendung ist es jedoch dem natürlichen Alkaloid unterlegen. Hier haben wir somit den Fall eines äußerst wichtigen Arzneimittels, das nicht nur aus der Toxikologie der Eingeborenen entwickelt wurde, sondern als dessen Quelle die indianische Bevölkerung immer noch selbst wirkt. Über die pflanzlichen Heilmittel der frühen Bewohner Perus besitzen wir kaum schriftliche Aufzeichnungen. Ihre Flora enthielt zwar eine Überfülle medizinisch wertvoller Pflanzen, aber leider erfahren wir nur wenig über das Ausmaß ihrer Anwendung. Die Inkas besaßen «Arzte» in Scharen: Hampi Camayoc, Oquetlupuc oder Sircac (Hüter der Arzneimittel und des chirurgischen Wissens) und Colla-Huaya (ambulanter Apotheker, der Arzneimittel verabreichte).

Das ohne Zweifel wichtigste Medikament Perus war die Koka, die im allgemeinen wegen ihrer schmerzstillenden und anregenden Wirkungen verabreicht wurde. Vor der Durchführung der in Peru üblichen Trepanationen legten die Inkas vermutlich Umschläge aus gekauten Kokablättern zur Schmerzlinderung auf. Der Wirkstoff der Kokapflanze, das Kokain, nimmt heute in der modernen Medizin, vor allem in der Augenheilkunde, eine wichtige Stellung ein. Die in den Anden lebenden Indianer nehmen noch heute zur Behandlung von alltäglichen Leiden einen Tee aus Kokablättern zu sich, insbesondere bei Unpässlichkeiten des Verdauungstraktes. Die peruanischen Pharmakopöen kannten eine große Anzahl Heilpflanzen, so auch den Stechapfel und die Brechwurzel. Ebenso waren den Inkas starke Abführmittel bekannt: Huillcautari - Früchte und die Wurzel von Huachanca . Huachanca wurde auch als wirksames Abortivmittel verwendet. Zur Linderung gewisser Augeninfektionen schätzte man die Blätter von Mactellu.

Chinin

Ipomoea violacea

Chinin, der für den Westen wichtigste Wirkstoff aus dem alten Peru, wird aus der Rinde des Chinchona-Baumes gewonnen. Diese indianische, fiebersenkende Rinde hat wohl mehr Leben gerettet als irgend ein anderes Medikament (oben).

Die Dreifarbige Winde (Ipomoea violacea), der Stolz vieler Gärten, gilt heute weltweit als eine der beliebtesten Pflanzen. Die Windengewächse, deren Ergolin-Alkaloide mit LSD (Lysergsäurediäthylamid) chemisch verwandt sind, hießen bei den Azteken Ololiuqui. Diese schätzten die Dreifarbige Winde besonders wegen ihrer halluzinogenen und narkotischen Wirkungen.

Der für den Westen wichtigste Pflanzenwirkstoff aus dem alten Peru ist jedoch das Chinin, gewonnen aus der Rinde verschiedener Spezies von Cinchona . Die Indianer Ecuadors schätzten es als fiebersenkendes Mittel, und von ihnen übernahmen es die Jesuiten-Missionare anfangs des 16. Jahrhunderts. Das Chinin, auch unter dem Namen Jesuitenrinde bekannt, wurde durch diesen Orden jahrelang wirtschaftlich ausgebeutet. Während zweier Jahrhunderte lieferten ausschließlich wildwachsende Bäume die Rinde, erst dann gelang den Holländern in ihren asiatischen Tropenkolonien die Kultivierung. Noch heute, und trotz der sehr wirksamen synthetischen Malaria-Medikamente, die sich auf dem Markte befinden, kann sich das Chinin unter unseren Arzneien pflanzlicher Herkunft behaupten. Diese indianische, fiebersenkende Rinde hat wohl mehr Leben gerettet als irgend ein anderes Medikament.

Damit sind nur einige der wichtigsten Heilpflanzen genannt, deren Verwendung in der modernen Medizin den sogenannten primitiven Völkern zu verdanken ist. Einem einzigen Forscher ist es gelungen, allein im nordwestlichen Amazonasgebiet über 700 Arten von zu Heilzwecken genutzten Pflanzen zu beobachten - dies in einem noch kaum erforschten Gebiet. Wer wollte da zweifeln, dass noch weit mehr möglicherweise lebensrettende Heilmittel unbeachtet von den Wissenschaften im Reichtum der Volkstraditionen der «Hinterländer» unserer Erde ruhen? Es lohnt sich deshalb zweifellos, dem Gebrauch von Pflanzen zu Heilzwecken durch Eingeborenenvölker auch in Zukunft jede Aufmerksamkeit zu schenken.

Richard Evans Schultes


      


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